Wandel im Außen bedingt Wandel im Innen und umgekehrt
Immer mehr Menschen haben ein „Grummeln im Bauch”, klagen mehr oder weniger bewusst über Vereinsamung und mangelnden Sinn in ihrem Leben. Sie betäuben sich durch maßlosen, fast dekadenten Konsum oder asketische Weltflucht. Individuelle Entwicklung hilft lediglich, diese Welt besser auszuhalten – Sinn entsteht erst durch sich Einlassen auf andere Menschen und die verantwortliche Gestaltung gesellschaftlicher Lebensbereiche.
Das grundlegende Problem unserer Zeit ist der irrige Glaube, wir seien „nur” von dieser Welt. Dabei sind wir Teil eines größeren Ganzen, den wir als Mensch nicht verstehen können (= vierte und endgültige narzisstische Kränkung des Menschen).
Viele Menschen engagieren sich politisch oder sozial, um gesellschaftliche Veränderungen zu erwirken. Doch sie selbst stellen sich selbst nicht in Frage, wollen sich selbst nicht verändern. Sie wollen Steuermänner/frauen sein und verstehen nicht, dass sie selbst auch Teil des Systems sind, das sie verändern wollen (vgl. Frederic Vester: Die Kunst vernetzt zu denken). Tiefgreifende Veränderungen können so nicht erwirkt werden – es bräuchte eine ganzheitlich-biokybernetische Herangehensweise.
Ebenso viele Menschen beschäftigen sich mit ihrem inneren Wachstum und beschränken sich auf ihre persönliche Entwicklung. Sie ringen um einen individuellen Zustand, in dem sie unabhängig gesellschaftlicher Missstände Glück empfinden können. Auch dies muss scheitern, wenn dieses Glück nicht in Verbindung mit dem Außen gebracht wird (vgl. Krishnamurti: Einbruch in die Freiheit).
Beide Ansätze – jeweils isoliert – machen verdrossen oder enden in Machtmissbrauch, bzw. in Materialismus. Statt also entweder politischem Engagement oder spiritueller Entwicklung ist die Synthese aus beiden Wegen die Lösung: Politische Gruppen brauchen Anstöße zur eigenen Reflektion, warum sie sich überhaupt mit gerade diesem Thema auseinandersetzen. Spirituelle Gruppen brauchen konkrete Projekte als Anwendungsmöglichkeit für die Umsetzung hin zum Wir.
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